'Ortsgespräche

K800 ökumene

Hausach. Sinniger hätten die Sitzgelegenheiten nicht sein können, auf denen die Pfarrer Hans-Michael Uhl (evangelisch) und Christoph Nobs (katholisch) am Sonntagabend über »Grenzüberschreitungen der Ökumene« diskutierten: Es waren die Traustühle der Gemeinde. Alle anderen Stühle des evangelischen Gemeindehauses mussten für die Besucher dieses ersten Gottesdiensts der Reihe »Ortsgespräche« zusammengetragen werden, damit alle einen Platz fanden.
»Eines Tages kam einer, der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern« war eine Zeile der Lieder, die die Gruppe »Klangspiel« mit der Gemeinde anstimmte, und Hans-Michael Uhl wünschte, dass »wir in diesem Gottesdienst etwas davon atmen dürfen«. Den »biblischen Teppich« dazu legte er unter anderem mit einer Lesung aus dem Römerbrief über das Leben der Gemeinde mit dem Fazit: »Ist’s möglich, soweit es an euch liegt, so haltet Frieden.« Beim Entwurf für diese Gottesdienstreihe sei die Personalnot in beiden Gemeinden noch gar nicht Thema gewesen, erläuterte Uhl. Schließlich gibt es für die Ökumene nicht nur pragmatische, sondern auch theologische

.
Christoph Nobs erzählte von seinen Ökumeneerfahrungen in seiner Heimatstadt Bräunlingen, wie er im Theologiestudium auch eine Nähe zum Judentum und zum Buddhismus verspürt habe, und wie er bei der Straßenarbeit in Luzern und in der »Kirche der Armen« in Kolumbien selbstverständlich mit Menschen anderer Konfessionen zusammengearbeitet habe, denn »dort, wo es nötig wird, kann man sich den Luxus von zwei verschiedenen Welten nicht leisten.«
Konkrete Vorschläge
Die Glaubwürdigkeit hänge eng mit der Einheit der Christen zusammen, glaubt Christoph Nobs. »Wenn Christen die Einheit in der Verschiedenheit hinbekommen, ist das auch ein Beitrag zum Frieden in der Welt«, fügte Hans-Michael Uhl an und erntete das erste Kontra seines Kollegen. Die »Einheit in der Verschiedenheit« könne auch eine Ausrede sein, einfach so weiterzumachen wie bisher. Dem Vorschlag, ein gemeinsames Projekt zu beginnen, in das die Kräfte und Mittel beider Gemeinden fließen, setzte er entgegen, dass es hier schon sehr viele Initiativen überregionaler und internationaler Solidarität gebe, da könne man nicht immer noch eins draufsetzen.
Es gab aber sehr wohl konkrete Vorschläge, die gute ökumenische Tradition in Hausach noch weiter auszubauen. Etwa mit einem monatlichen gemeinsamen Gottesdienst, schlug Uhl vor. »Mit gesegnetem Brot für alle«, ergänzte Nobs. Es gäbe »eine schöne Zahl von Menschen, die das begrüßen würde. Und eine kleine Zahl, die dann eben in einen Nachbarort zur Eucharistiefeier fahren würden«. Solange dies in zumutbarer Entfernung angeboten werde, sei das kein Problem.
Ein gemeinsames Sekretariat war der Vorschlag von evangelischer Seite, wo das Sekretariat gerade mal acht Stunden in der Woche besetzt ist und die Kirche somit viel zu wenig erreichbar sei. Von katholischer Seite könnte man sich gut auch einen gemeinsamen Hausmeister für alle kirchlichen Immobilien in Hausach und Gutach vorstellen – um damit möglicherweise auch eine attraktive Vollzeitstelle zu schaffen.
Überhaupt gelte es zu überlegen, wofür Personal, Infrastruktur, Gebäude und Projekte verwendet werden – derzeit erreiche man damit »nur eine verschwindende Minderheit derer, die Kirchensteuer zahlen« sagte Christoph Nobs. Es sei wesentlich »kundenfreundlicher«, für die notwendigen Synergieeffekte am Ort interkonfessionell zusammenzuarbeiten, anstatt innerhalb einer Konfession immer größere pastroale Räume zu schaffen. Hans-Michael Uhl fasste zusammen: »Ökonomisches straffen, damit Ökumenisches wachsen kann.«
»Einfach machen«
Aus der Gemeinde kamen weitere Vorschläge wie ein ökumenischer Kirchenchor oder zum monatlichen Tagzeitengebet auch die Protestanten einladen. Die Angst, das Erzbistum oder die Evangelische Landeskirche könnten den ökumenischen Aufbruch bremsen, dämpfte der ehemalige Hausacher Pfarrer Gerhard Koppelstätter, der am Schluss gemeinsam mit dem evangelischen Kollegen Herbert Kumpf das Segensgebet sprach: Nicht so sehr auf Freiburg und Karlsruhe schielen, einfach machen!«
Der evangelische Kirchenbeiratsvorsitzende Werner Kadel schlug vor, in einem kleinen Kreis beschlussfähige Konzepte auszuarbeiten. In Gutach hat man damit in dieser Woche bereits begonnen.

 Claudia Ramsteiner
Offenburger Tageblatt

K800 klangspiel 002

Die Gruppe Klangspiel: Ursula Kumpf, Brigitte Auel, Silke Walter.

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